Was der IPCC-Bericht für die IT-Branche bedeutet

„Jede weitere Verzögerung globaler Maßnahmen wird ein kurzes und sich rapide schließendes Zeitfenster zur Sicherung einer lebenswerten Zukunft zur Folge haben.“ 

Hans-Otto Pörtner, Ko-Vorsitzender der IPCC-Arbeitsgruppe II.

Die UNO veröffentlichte vor kurzem einen neuen Bericht über den Klimawandel. Ihre Erkenntnisse und Prognosen scheinen durchaus unheimlich, dennoch gibt es immer noch Licht am Ende des Tunnels und uns bleibt ein wenig Zeit, positive Veränderungen voranzutreiben. Dazu ist es allerdings von großer Bedeutung, dass sich jeder Industriesektor mit seinem Energieverbrauch sowie den abgegebenen Emissionen auseinandersetzt. Vor allem für die IT-Branche besteht noch Luft nach oben, denn genauso wie digitale Technologien einen Schlüssel für Nachhaltigkeit darstellen, können sie diese ebenso stark behindern.

 

Worum geht es im IPCC-Bericht?

Dies ist das zweite Dokument einer dreiteiligen Serie des IPCC - des UN-Gremiums, welches die neuesten Informationen zum Klimawandel bereitstellt. Dieser Bericht stützt sich auf die Ergebnisse tausender akademischer Studien, welche die Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft, sowohl jetzt als auch in Zukunft, darstellen. Lesen Sie den kompletten IPCC-Bericht 2022.

 

Was ist der derzeitige Stand?

Kurz gesagt, die Erkenntnisse des Berichts sind nicht sonderlich gut: Der Klimawandel schreitet schneller voran als erwartet. Seine Auswirkungen sind bereits in Flora und Fauna weltweit zu beobachten.

  • Die Hälfte aller betrachteten Arten wandert stetig gen Norden oder in höher gelegene Gebiete, um dem stetigen Temperaturanstieg zu entgehen.
  • Die durch Waldbrände verödete Landschaftsfläche im Westen Nordamerikas hat sich zwischen 1984 und 2017 verdoppelt.
  • Die größten Städte der Erde verzeichnen seit 1980 einen Anstieg ihrer wärmsten Temperaturn von 500%.

 

Wohin geht der Trend?

In den letzten Jahren ist vermehrt über eine Begrenzung der Erderwärmung auf maximal 1,5 °C gegenüber vorindustriellen Zeiten gesprochen worden. Und das aus gutem Grund, denn nur so können wir die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels tatsächlich verhindern.

Leider sind wir bereits auf dem besten Weg, in vier der fünf vom IPCC aufgezeichneten Szenarien die 1,5-Grad-Marke zu überschreiten. Die einzige Möglichkeit, diesen Prozess wieder zu verlangsamen, besteht darin, Net Zero weltweit bis spätestens 2050 zu erreichen. Dies zeigen die unteren beiden Graphen im nachstehenden Modell von CNN, welches diese Auswirkungen aussagekräftig visualisiert. Zusätzlich müssten wir für diesen Zustand die Hälfte der CO₂-Einsparungen schon bis 2030 erzielen. Zurzeit stehen die Chancen hierfür nicht sonderlich gut.

CNN: Klimawandel-Prognose und Szenarien für 1,5 bis 5 Grad CelsiusCNN: Klimawandel-Prognose und Szenarien für 1,5 bis 5 Grad Celsius

Was wären die Folgen?

Selbst die vorübergehende Überschreitung von 1,5 °C hätte schwerwiegende Auswirkungen für Mensch und Natur. Sollten wir uns über 1,5 °C hinwegsetzen, verlieren wir höchstwahrscheinlich die Kontrolle über die katastrophalen Auswirkungen des Klimawandels, da natürliche Treibhausgasspeicher wie Wälder, Torfmoore und Eisschilde in Folge steigender Temperaturen entweder verbrennen, entwässern oder schmelzen, was eingeschlossene Gase von Neuem in die Atmosphäre freisetzt.

Wie unten dargestellt, steigt der Prozentsatz der Landtiere, die mittel- bis langfristig (2041-2100) vom Aussterben bedroht sind gleichzeitig mit der Temperatur:

  • 1,5 ⁰C Erwärmung: bis zu 14% Arten vom Aussterben bedroht
  • 2 ⁰C Erwärmung: bis zu 18%
  • 3 ⁰C Erwärmung: bis zu 29%
  • 4 ⁰C Erwärmung: bis zu 39%
  • 5 ⁰C Erwärmung: bis zu 48%

Zum Glück gibt es noch Hoffnung dafür, dass wir das Schlimmste verhindern können. Dem IPCC-Bericht zufolge hängen langfristige Auswirkungen maßgeblich von kurzfristigen Interventionen zur Eindämmung und Anpassung ab. Das heißt, wir müssen handeln – und zwar sofort!

 

Was können wir tun?

Uns bleibt immer noch Zeit, die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu mildern. Deshalb sind Bilanzierungen und Reduzierungen unseres CO₂-Fußabdrucks so unglaublich wichtig.

Der Fußabdruck von Unternehmen und Organisationen wird in drei Bereiche – oder „Scopes“ – unterteilt, wie in der Abbildung des GHG-Protokolls dargestellt. Scope 1 umfasst alle direkten Emissionen aus den am Firmenstandort genutzten Brennstoffen (z.B. Benzin und Diesel). Scope 2 dagegen beschreibt indirekte Emissionen, die zur Energiegewinnung benötigt werden (z.B. die in Kraftwerken verwendete Kohle). Beide Bereiche sind am einfachsten zu messen und durch betriebliche Entscheidungen zu beeinflussen, jedoch machen Sie nicht den Großteil der gesamten Emissionen aus. Der Rest fällt in die Kategorie Scope 3, welche alle anderen mit dem Unternehmen verbundenen Emissionen umfasst. Dazu gehören beispielsweise Produktion und Transport von Materialien, Komponenten und Hardware, genauso wie die Nutzung und Entsorgung der einzelnen Produkte am Ende ihrer Lebensdauer.

Abbildung von Scope 1, 2 und 3 während des gesamten Produktlebenszyklus. Quelle: Greenhouse Gas Protocol.Abbildung von Scope 1, 2 und 3 während des gesamten Produktlebenszyklus. Quelle: Greenhouse Gas Protocol.

Welche Rolle spielt nun IT-Hardware in diesem Zusammenhang? Nach der Unterteilung der Umweltauswirkungen in Scopes 2 (betrieblicher Energieverbrauch) und 3 (verkörperte Energien) betont die internationale Umweltorganisation The Shift Project, dass verkörperte Energien in der Produktionskette ganze 45% des gesamten Energieverbrauchs des digitalen Sektors ausmachen. So besitzt ein durchschnittlicher Laptop beispielsweise einen CO₂-Fußabdruck von rund 280kg, bevor man ihn überhaupt einschaltet. (Weitere Informationen über den CO₂-Fußabdruck von Geräten vor ihrer Nutzung finden Sie in dieser fantastischen Quelle des Restart Project).

Leider sind wir nicht in der Lage, die oben genannten Emissionen unwirksam zu machen. Eine der wichtigsten Maßnahmen, die wir jedoch ergreifen können, ist die Verfolgung eines nachhaltigen Ansatzes bezüglich IT-Management. Durch die Maximierung der IT-Lebensdauer garantieren wir die effektive Nutzung des für die Herstellung benötigten Kohlenstoffs. In der Praxis bedeutet dies die Entstehung einer IT-Kreislaufwirtschaft, bei der Verbraucher:innen sich ebenfalls zu einem verantwortungsvollen Konsum verpflichten, indem sie sich zunehmend auf zwei Schlüsselbereiche konzentrieren: die Beschaffung und die Entsorgung am Ende des Produktlebenszyklus.

Vergleich zwischen Linear Economy Circular EconomyVergleich zwischen Linear Economy Circular Economy

Nachhaltige IT-Beschaffung

Ein Neukauf von IT-Hardware sollte immer die letzte Option sein, da dieser Prozess eine weitere Investition in neue Materialien und Emissionen erfordert. Die Verlängerung der Produktlebensdauer bestehender Technologien ist eine großartige Alternative hierzu und kann auf verschiedene Art und Weise erreicht werden:

  1. Hardware-Reparaturen
  2. Wiederverwendung vorhandener Geräte
  3. Innerbetriebliche Neuzuweisung an weniger leistungsorientierte Abteilungen
  4. Umbau vorhandener Geräte mit Komponenten-Upgrades
  5. Kauf eines gebrauchten oder refurbished Geräts

Sollten Sie trotzdem auf den Kauf neuer Geräte angewiesen sein, berücksichtigen Sie am besten die Entfernung, die diese auf dem Weg zu Ihnen zurücklegen. Grundsätzlich gilt: Je kürzer die Lieferkette, desto kleiner der CO₂-Fußabdruck. Auch wenn ein Großteil davon durch Herstellung und Transport entsteht, ist es immer von Vorteil, lokale Lieferunternehmen anzusteuern, um zusätzliche Emissionen zu vermeiden.

 

Nachhaltige Außerbetriebnahme

Wenn es um das Ende der IT-Lebensdauer geht, wird immer noch zu viel Hardware vorzeitig weggeworfen. Nur weil sie nicht mehr für Ihren aktuellen Gebrauch geeignet sind, bedeutet das nicht, dass elektronische Geräte keine Verwendung mehr für jemand anderes haben können. Wenn sie nicht repariert oder wiederverwendet werden, können sie alternativ an Wohltätigkeitsorganisationen gespendet oder weiterverkauft werden.

Das Hauptaugenmerk sollte darauf liegen, die einzelnen Materialien und Geräte an die Spitze der Abfallhierarchie zu befördern. Für die IT-Branche lässt sich dies am besten als umgedrehte Pyramide darstellen (siehe unten), wobei die Wiederverwendung die nachhaltigste Wahl ist und Recycling als letzter Ausweg dienen sollte. Beim IT-Recycling können nur die wenigsten der in den Geräten enthaltenen kritischen Rohstoffe zur selben Zeit wiedergewonnen werden. Wenn wir also den oberen Ebenen der Hierarchie Priorität einräumen, können wir so den Wert unserer existierenden Ressourcen maximieren und gleichzeitig die Notwendigkeit für mehr CO₂ minimieren.

Umgedrehte Pyramide von oben nach unten: Wiederverwendung, Neuzuweisung, Refurbishment, Remanufacturing, Ersatzteillager, RecyclingUmgedrehte Pyramide von oben nach unten: Wiederverwendung, Neuzuweisung, Refurbishment, Remanufacturing, Ersatzteillager, Recycling

Datenschutz ist außerdem ein wichtiges Thema, dass es für viele Unternehmen zu berücksichtigen gilt. Im Namen des Datenschutzes werden regelmäßig unzählige Geräte geschreddert, sodass anschließend nur noch Recycling-Verfahren für diese Materialien in Frage kommen. Ein solcher Ansatz ist genauso verschwenderisch wie unnötig, denn der Verkauf der Geräte an ITAD-Unternehmen bietet eine hervorragende Option für die komplett sichere Datenbereinigung und anschließende Wiederverwendung.

Die im IT-Sektor verwendete Hardware und ihre derzeitigen Herstellungsprozesse verursachen unserem Planeten enorme Materialkosten. Deshalb ist es umso ist wichtiger, dass wir sie entsprechend wertschätzen und handhaben, auch wenn ihr wirtschaftlicher Wert bereits stark beeinträchtigt wurde.

 

Ein Gleichgewicht zwischen High Performance und CO₂-Minimierung  

Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass die Verringerung von CO₂-Emissionen ebenfalls zu einer abfallenden Produktionsleistung führt. Wir bei Techbuyer sind der Meinung, dass durch die Optimierung und Effizienz sowohl eine CO₂-Reduktion als auch High Performance Anwendungen zur selben Zeit erzielt werden können.

In unseren Blog aus der Reihe #KohlenstoffKonversationen beschreiben wir drei Strategien, die Unternehmen und Organisationen anwenden können, um sowohl Leistungssteigerungen als auch eine Verringerung ihres CO₂-Fußabdrucks hervorzurufen.